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Besichtigung: Festung Waldbrand Beatenberg, 7. Juni 2011

Bei Sonnenschein bestiegen in Thun 18 Veteranen des TVT den STI Bus nach Interlaken. In der Beatenbucht wechselten wir in den Wagen der Drahtseilbahn zur Bergfahrt nach Beatenberg. Hier war aus Unterseen Walter Straubhaar zu uns gestossen. Unser Reiseleiter Peter Kämpf führte uns auf der Hauptstrasse westwärts zum Parkplatz der Feuerstelle Waldbrand. Schon erwartete uns der pensionierte Festungswächter Fritz Beer. Auf einem unscheinbaren Waldweg ging’s ca. 300m leicht abwärts vor den Eingang der Festung Waldbrand. Seit 2002 ist das kein geheimes Festungswerk mehr und kann besichtigt werden. Es ist sogar in Privatbesitz. Staunende Augen gab’s, als wir durch das tarnende Tor und das gepanzerte Eisentor schritten und in den hohen und breiten aus dem Fels gesprengten Gang eintraten. Der Hauptgang ist 2,3 km lang. Im Gebiet Waldbrand erlaubt der grosse Querschnitt, dass schwere LKW mit Kanonen und Lafetten zirkulieren konnten. Durch Schiessscharten ist der Haupteingang beidseitig geschützt. Hinter dem Haupteingang wurde im Verlaufe der Jahre mit einer dicken Betonmauer ein kleineres Eingangstor erstellt. Der private Eigner wollte diese entfernt haben, um einige seiner alten Militärfahrzeuge hier zu stationieren. „Vierzehn statt der offerierten drei Tage brauchten die Maurer um die Mauer mit schwerem Gerät zu entfernen“, meinte Herr Beer. Eindrücklich ist die Baugeschichte: Baubeginn im März 1941, bereits im Juni 1942 waren Scharten und Stollengänge ausgebrochen, so dass Feuerunterstützung möglich gewesen wäre. Das Ausbruchmaterial wird noch heute zur Kofferung von Strassen benutzt. Im August 1947 begannen die Ausbrucharbeiten für den Kommandotrakt, die Ess- und Schlafzimmer der permanenten Besatzung. Die Anlage besteht eigentlich aus den zwei Artilleriewerken Waldbrand und den um 90 m höheren Legi. Eine lange steile Treppe verbindet die beiden Anlagen. Für 1000 Mann ist die Anlage im Dreischichtbetrieb, Arbeiten, Pikett, Schlafen, berechnet. Ein Bett war so immer warm. Drei Jahre nach Kriegsende wurden mit acht 10,5 cm Kanonen die fest eingebaute Bewaffnung realisiert. Diese Geschütze erlauben einen Beschuss bis ins Gebiet von Kiesen. 1955 gastierte der letzte WK. „1979 haben wir das letzte Mal in den Thunersee geschossen“, erzählte der pensionierte Festungswächter. Mit der Armeereform 95 wurde das gewaltige Werk am 31.12.1998 ausser Dienst gestellt.

Vor der Rückreise genossen wir ein wunderbares Mittagessen bei der Familie Jaun im Gasthof Riedboden: Sure Mocke mit Kartoffelstock und vielseitigem Gemüse und eine sehr schmackhafte Crème.

Erich Tschabold