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Besichtigung Zuckerfabrik Aarberg, 3. November 2009

Für unsere Reise ins Seeland oder anders ausgedrückt, ins Zuckerland, organisierte Peter Kämpf wohl die schönste Variante. Mit der Eisenbahn nach Bern, umsteigen ins Postauto; so erreichte die über zwanzig köpfige Gruppe der Veteranen des TV Thun nach der Fahrt über zwei Hügelzüge und durch bunte Herbstwälder die Zuckerfabrik Aarberg. Hier war die Luft merklich anders als in Thun. War der Geschmack süsslich? Wir wussten es nicht! Doch was als Betriebsbesichtigung angekündigt worden war, erwies sich später fast als eine Betriebswanderung!!!

Die Zuckerfabrik Aarberg hat ihren Betrieb im Oktober 1899 aufgenommen, Sie wurde um Januar 1912 durch einen Brand vollständig zerstört. Im Oktober1913 nahm das Nachfolgeunternehmen - die Zuckerfabrik und Raffinerie Aarberg AG - ihre Produktion auf. 1997 fusionierten die 1957 gegründete Zuckerfabrik Frauenfeld AG mit der Zuckerfabrik Aarberg zur Zuckerfabrik Aarberg und Frauenfeld AG.

Die Anlieferung der Zuckerrüben in Aarberg aus den Kantonen BE, BL, FR, GE, JU, NE, SO VD, erfolgt per Bahn oder Strassenfahrzeugen. Zum Ausladen werden die Bahnwagen seitwärts leicht gekippt, die Wasserkanonen spülen die Zuckerrüben ins Kanalsystem zur Weiterverarbeitung oder zum Lagerplatz. Vor dem Schnitzeln werden sie in grossen Waschtrommeln gereinigt. Nun entzieht heisses Wasser den Schnitzeln im Extraktionsturm den Zucker. Aus den entzuckerten, ausgepressten Schnitzeln gibt´s Viehfutter. Noch hat der gewonnene Rohsaft viele Verunreinigungen, die die Kristallisation des Zuckers behindern. Aus den im Kalkofen gebrannten Jurakalksteinen entstehen Kalkmilch und Kohlensäuregas. Diese Beiden bewirken die Ausfällung der Nicht-Zuckersstoffe. Die ausgepresste Ausfällung ergibt einen wertvollen Dünger. Der filtrierte und gereinigte Dünnsaft wird zu Dicksaft eingedickt. In den Kochapparaten wird der Saft weiter eingedickt und kristallisiert. So entsteht der braune Rohrzucker. Schneeweiss wird der Zucker durch ein weiters Auflösen, Filtrieren und Kristallisieren.

Während der "Kampagne", jeweils von Ende September bis Ende Dezember, herrscht in der Fabrik in Aarberg Hochbetrieb. Im 24 h-Betrieb, - sieben Tage in der Woche - werden die Rüben zu Kristallzucker und  zu Dicksaft verarbeitet. Der eingelagerte Dicksaft wird im Frühjahr kristallisiert. Die Weiterverarbeitung zu den uns bekannten Produkten wie Feinkristallzucker, Gelierzucker und Rohrzucker erfolgt während des ganzen Jahres.

Vor der Rückreise mit dem Postauto liessen sich die Veteranen im bekannten Restaurant Rathaus Aarberg mit einem guten Mittagessen verwöhnen.

 

Erich Tschabold

Bilder von Rinaldo Sommer