01/01/70

Das Wasser als weltweites Konfliktpotential der Zukunft

Vortrag am 20. Januar 2009 von Pierre Altermath:

Einmal mehr startete ein hochinteressanter Vortrag die Veranstaltungen 2009 des Veteranenbundes des TV Thun. Im Café Restaurant Schüür in Steffisburg begrüsste Peter Kämpf die 17 Turnsenioren. Ernst Grütter erinnerte in der Einführung zum Vortrag an das Buch des Club of Rome 1971, "Grenzen des Wachstums" und bemerkte, dass sich die darin aufgestellten Prognosen bestätigten. Anschliessend stellte er den Referenten Pierre Altermath vor. Der Jurassier ist Vater von vier Kindern und wohnt im Kanton Freiburg. Der pensionierte Berufsoffizier und Schulkommandant war später im Heer des VBS Chef der Qualitätssteuerung.

Allgemein. Mit eindrücklichen Überlegungen und Zahlen erläuterte Herr Altermath die Wichtigkeit des Wassers. So kann ein Mensch drei Wochen ohne Essen, drei Tage ohne Trinken, drei Minuten ohne Atmen überleben. Das heisst, dass bei einer Katastrophe spätestens 72 Stunden nach dem Ereignis Trinkwasser zur Verfügung stehen soll. Die Wassermenge auf der Erde ist unveränderlich, davon sind 0,2% als Trinkwasser sofort geniessbar. Quellen, und Grundwasser liefern das für uns scheinbar unbegrenzt köstliche Gut. Ferner weisen die fossilen Grundwasserschichten in Tiefen von 2 - 3 km eine gute Qualität auf, ihr Nachteil ist, sie erneuern sich kaum. Weltweit entsalzen 13'000 Fabriken Meerwasser. Dazu benötigen sie grosse Energiemengen (4KWh/m3), zudem verteuern lange Transportleitungen das Wasser. Unsozial ist die weltweite Wasserverteilung. 60 % der Trinkwasservorräte teilen sich neun Länder auf. Daneben leiden 80 Länder mit 40% der Weltbevölkerung aber an Wassermangel.

Unser Bedarf: Um sich entwickeln zu können, benötigt eine Gemeinschaft 2'000 m3 Wasser pro Einwohner und Jahr. Dieser Bedarf wird aufgeteilt im Haushalt 10%, in der Industrie 20% und in der Landwirtschaft 70%. Der Mindestbedarf der Haushalte beträgt 100l/Tag. Zum Vergleich: Ein Europäer beansprucht: 200- 300l, der Bewohner in der Sahelzone muss mit nur 30l überleben können. Dazu benötigt er bis zu vier Stunden Transportzeit um das Wasser zu holen. Für uns gilt eine fast ketzerische Feststellung ist. Je geringer der Verbrauch ist, desto kleiner sind die Einahmen für den Unterhalt der Frisch- und Abwasserleitungen. Um günstige Grundtarife zu haben verschwenden wir das Wasser. Zu denken gibt, dass durch mangelhaft unterhaltene Leitungen viel zu viel Wasser verloren geht. Der Bedarf von Industrie und Landwirtschaft ist beeindruckend. Der Bau eines Autos erfordert 400'000l, die Herstellung von 1 kg Brot 4000l und 1kg Fleisch 20'000l Wasser. Der Wasserbedarf für die Landwirtschaft ist riesig! In Israel wurden mit einem Salz- Süsswassergemisch herrliche Tomaten gezüchtet. Doch nach einigen Jahren war der Boden versalzen und nicht mehr zu gebrauchen. Zum Teil sind die Wasservorräte am falschen Ort. Ideen zum günstigen Wassertransport konnten noch nicht umgesetzt werden. Z.B. Ein übergrosser Gummischlauch mit Süsswasser gefüllt, könnte auf dem Seeweg zu den Verbrauchern gezogen werden. Ebenso könnte ein Eisberg in eine wasserarme Region geschleppt werden. Doch wie viel Eis schmilz während der Reise weg?

Gefährdung des Wassers: Übernutzung zeigen schlechte Resultate. Vor 40 Jahren wurde das Wasser von drei Zuflüssen zum Aralsee zu grossen Baumwollplantagen abgeleitet. Heute sind frühere Hafenstädte bis zu 30km vom Wasser entfernt. Mit Staumauern wird versucht, die gemachten Fehler zu korrigieren. Verschmutzung des Wassers lassen aufhorchen. "Wegen zu hohem Nitratgehalt kann das Wasser nicht mehr getrunken werden". Das ist ein uns bekannter Satz. Wasserfassungen in der Nähe von Friedhöfen sind problematisch und verlangen Sanierungen. Kriminalität auf den Weltmeeren lassen Schiffe verschwinden, Container mit den verschiedensten Materialien versenken, oder treiben auf den Meeren. Die Klimaerwärmung hinterlässt ihre Spuren. Seit 1850 ist bereits ein Drittel der Gletschermasse abgeschmolzen. Prognosen sprechen von einer gletscherfreien Zeit ab 2050. Was sind die Folgen, wenn die Gletscher fehlen? Grosse Trockenheit, Schlammlawinen, schlechte Wasserversorgung werden in Zukunft nur mit grossem Aufwand zu verkraften sein. Auswirkungen von schlechtem  Wasser bewirken, dass täglich 25'000 Menschen sterben. Eine heikle Angelegenheit ist für den Redner die Privatisierung des Wassers. Der Zugang zu einem lebenswichtigen Gut darf nicht als Konsumgut für maximale Gewinne benutzt werden.

Konflikte wegen Wasser: Das Hochland von Lesotho ist das Wasserschloss Südafrika. Als die rebellierende Opposition die Regierung in Bedrängnis brachte, waren es Truppen von Südafrika und Simbabwe die die Regierung von Lesotho unterstützten und sich das Wasser sicherten.

Herr Altermath stellte Fragen, die zu denken geben: Wie sieht unsere die Zukunft aus, wenn die Wassermenge des Rheins nicht mehr genügt um die Bedürfnisse von Deutschland und der Schweiz zu decken? Wem gehören die Grenzflüsse? Wer bestimmt, welcher Staat wie viel vom köstlichen Nass beanspruchen darf? Nach den Worten des Redners löst Israel das Problem Wasser so: Für gewisse soziale Schichten gibt's fliessendes Wasser. Für die restlichen Bewohner des Landes werden die Zisternen gefüllt,wenn Wasser vorhanden ist. Mit solchen Lösungen sind Konflikte voraussehbar. Mit weisen vorausschauenden Politikern würden viele Wasserprobleme gar nicht auftreten und Katastrophen könnten im Keime erstickt werden.

Was ist zu tun: Herr Altermath ist der Meinung, dass die Behörden und die Verantwortlichen mit einfachen Fragen auf mögliche Risiken für die Zukunft des Wassers anzusprechen seien. Er äusserte sich, dass die Jungen kaum etwas unternehmen werden, um gesundes Wasser garantieren zu können. Daher sein Motto "Die Alten müssen handeln, damit die Jungen nicht einschlafen".