01/01/70
Mühlebach-Wanderung in Steffisburg
Veteranenbund
Nach dem Ausflug zu den Grimselkraftwerken, wanderte die Veteranengruppe des TV Thun in Steffisburg dem Mühlebach entlang. Der künstlich erstellte Gewerbekanal lieferte zu seinen besten Zeiten, um 1917, für 17 Werke die Wasserkraft. Doch bereits im 14. Jhd. muss ein Kanal bestanden haben. Die Obere Mühle (heute AEK) wurde bereits 1308 erwähnt, die Untere Mühle 1453 und die Sagi (heutiges Sagizentrum) vor 1366. Der Mühlebach ist 2950 m lang und hat ein Gefälle von total 400m.
Die Wanderung führte von der Busstation "Steffisburg-Platz" an die Zulg zur Schwelle und Ableitung des Mühlebaches. Obmann Ernst Grütter erklärte uns die bewegte Geschichte dieser Schwelle. Um vom Wildbach Zulg eine genügende Wasserstandhöhe zu erhalten, wurde die "Müllerschwelli" errichtet. Viel Eichenholz erforderte die 1757 erbaute Kastenschwelle. Nach 1764 riss 1771 ein Hochwasser zum zweiten mal die Schwelle fort. Ein erneuter Neubau 1813, musste 1846 wieder teilweise erneuert werden. Als Ergänzung, 1867, hatte ein Vorbau das Unterspülen der Schwelle zu verhindern. Um 1900 sollte ein neues Projekt die morsch gewordene Schwelle ersetzen. Doch am 25. Juli 1907, nach einem gewaltigen Unwetter, riss ein Hochwasser eine grosse Bresche in die Schwelle. Ein weiteres Hochwasser machte die Reparatur wieder zunichte. Einmal mehr konnte der Bach nur provisorisch genutzt werden. Mit dem Bau der heutigen, doppelten Betonsperre mit Einlaufbecken für den Mühlebach wurde im November 1909 begonnen und im März 1908 vollendet. Erst im Oktober beginnen die Bauarbeiten des Geschiebesammlers. Bis zum Bau des Schwimmbades diente dieser, das "Basseli" genannt , als das Schwimmbecken von Steffisburg. Während wir dem Bach weiter folgten, machte uns Ernst Grütter auf die Sehenswürdigkeiten in diesem Gebiet auf-merksam. So die Kreuzung Bösbach/ Mühlebach, die mit dem Schiffsbrücklein gelöst wurde. Weiter dem Mühlebach entlang ging's zur Überbauung Astra. Der kanalisierte Bach öffnet sich zu einem Teich - eine Oase zwischen den Gebäuden. In ländlicher Idylle erreichte die Wandergruppe die Saagi am Mühlebach.
Nach dem herrlichen Apéro erklärte uns Herr Hanspeter Schranz die wieder betriebsfähige Sagi. 1980 wurde die Sägerei stillgelegt und an die Gemeinde verkauft. Einzig das Wasserrad sollte erhalten bleiben. Für das geplante Schauobjekt waren die Kosten zu hoch. Zum Glück kaufte die Gemeinde Steffisburg in Wattenwil eine stillgelegte Sägemaschine und lagerte sie im Werkhof ein. Zwanzig Jahre später legte Sekundarlehrer Schranz mit seiner Werkklasse das inzwischen überwachsene Wasserrad frei. Es folgte die Gründung des Verein's "Saagi am Mühlebach" mit der Absicht, die alte Säge wieder aufzubauen. Viele Spenden und viel Freiwilligenarbeit führten zum Erfolg.
Das Einweihungsfest war 26. Juni 2004. Ein Getriebe mit vier Zahnräder verteilt die Energie des Wasserrades auf einen Riemen für die Säge und einen Riemen für den Vortrieb des zu sagenden Holzes. Während in der Säge ein Kirschbaum in Bretter aufgeteilt wurde, tönte vor dem Haus das Wasserrad wie das Schaufelrad des Dampfschiffes Blümlisalp. Vorbei an der ehemaligen Tuchfabrik Stucki führte die Wanderung Richtung Bernstrasse zum Burger-heim. In der "Scheune" des Burgerheims - ein schmuckes Restaurant - genossen wir das Mittagessen.
Gut genährt hörten wir den Diavortrag von Herrn Dr. Georg Frank zur Geschichte der handwerklichen Betriebe am Mühlebach. Spannend erzählte der Verfasser des Buches "Dank dem Gewerbefleiss früherer Jahrhunderte" wie bedeutend der Gewerbekanal für die verschiedenen Handwerksbetriebe war. Ca. zehn Strassennamen längs des Baches zeigen mit welchem Handwerk die Bevölkerung ihr Brot verdiente. ZB. Mühleweg, Dükerweg, Schreinerweg, Öleweg, Seidenweg, Sägeweg, Industrieweg, Weberweg, Glättewühleweg. Das Gebiet galt als Thuner Industrieenklave. Dass das Burgerheim Thun so weit von der Stadt entfernt steht, hat seinen Grund. Ursprünglich diente es als Siechenhaus, später als Waisenhaus und nun als Altersheim der Burgergemeinde Thun.
Im Gebiet des Burgerheimes versickert der Mühlebach nicht, unsere Wande-rung war noch nicht zu Ende. Wir folgten dem Wasser bis zur Einmündung in die Aare. Der Aare entlang führte der Heimweg zum "Rossgagupintli". Ein Umdruck beendete einmal mehr einen sehr abwechslungs- und lehrreichen Ausflug des Veteranenbundes. Vielen Dank den Verantwortlichen Emil Frey und Ernst Grütter.
Erich Tschabold

