01/01/70

Bericht über den Vortrag "Klima, Wetter und internationale Klimaforschungsprojekte" von Prof. Dr. Bruno Messerli

Der erste Anlass des Veteranenbundes des TV Thun lockte 38 Teilnehmer in den Turmsaal des Hotels Freienhof. Unser Obmann Ernst Grütter begrüsste die Interessenten und den Referenten Prof. Dr. Bruno Messerli, Bern, herzlich. Dann führte er uns in das heute sehr wichtige Thema "Wetter und Klima" ein.
Anhand von Zeitungsunterlagen wies er auf einige Ergebnisse zur schwer aufhaltbaren Erwärmung der Atmosphäre hin, die uns Sorge bereiten muss:

  • Das Klima wird durch die zunehmenden CO2-Emmissionen messbar    beeinflusst;
  • An den Gletschern sieht man die höheren Wärmewerte in der stärkeren   Abschmelzung deutlich. Wir müssen damit rechnen, dass mit der  Wärmezunahme der Abschmelzungsprozess bedrohliche Formen annimmt.
  • Die warmen Herbste werden häufiger und länger, was sich auf den Winterbeginn und die Schneedecke auswirkt.
  • Während die weisse Farbe des Schnees das Rückstrahlungsvermögen verstärkt (Reflexion), werden die farbigen oder versiegelten Böden, wie Wiesen, Felder, Wälder und Siedlungen die Erwärmung verstärken und die Situation verschlimmern.
  • Unsere Skigebiete werden, je nach Höhenlage, stark beeinflusst. Das Skifahren kann zum Teil nur noch mit Kunstschnee, d.h. mit teuren Schnee- kanonen bis zu einem gewissen Grad gesichert werden, zieht aber entsprechende Energie- und Wasserbedürfnisse nach sich.

Die Schneesicherheit in Prozent in verschiedenen Skigebieten der Schweiz:

 

 

Heute

+ 1 Grad

+ 4 Grad

Ostschweiz

83 %

58 %

8 %

VD und FR

100 %

65 %

6 %

Berner Oberland

96 %

85 %

12 %

Zentralschweiz

90 %

75 %

20 %

Tessin

100 %

75 %

0 %

Graubünden

100 %

97 %

83 %

Wallis

100 %

100 %

80 %

In den Polgebieten werden die riesige Eismassen langsam abschmelzen und den Meeresspiegel ansteigen lassen, was für die dichtbesiedelten Küstenregionen vieler Länder bedrohliche Situationen bringt. Die Wärmezunahme wird die Feuchtigkeitswerte und die Luftzusammensetzung verändern: Windstärken werden weiter zunehmen und auch die Regenmengen, die auch anders übers Jahr verteilt sein werden.

In den letzten Jahren wurden in den riesigen Eismassen der Polargebiete viele Bohrungen in grosse Tiefen abgeteuft. Auf Grund dieser Abklärungen können die mutmasslichen Folgen der weltweiten Wärmezunahme besser abgeschätzt und berechnet werden. Es steht heute leider fest, dass die Hauptursache der Wärmezunahme der Mensch mit seiner Energiegewinnung aus Öl, Gas oder Kohle ist. Weltweit werden jährlich etwa sieben Milliarden Tonnen Kohlenstoff verbraucht. Bei der Verbrennung mit dem lebenswichtigen Sauerstoff entstehen so ca. 25 Milliarden Tonnen des Treibhausgases CO2.
Die Gletscher in den Berggebieten sind wichtige Wasserspeicher für die Menschen, die Tiere und die Pflanzenwelt. Mit dem Abschmelzen dieser Reserven wird das Abflussverhalten der Flüsse und Ströme punkto Abflusszeiten und Abflussmengen grundlegend verändert. Trinkwasserversorgung, Bewässerung - und damit das Nahrungsangebot - werden negativ beeinflusst. Wir müssen damit rechnen, dass die Versteppung und die Wüstenbildung in grossen Gebieten zunehmen werden.
Einerseits haben wir ein grosses Bevölkerungswachstum und damit einen grösseren Nahrungsmittelbedarf, andererseits wird das landwirtschaftlich genutzte Land immer spärlicher, was unweigerlich zu Hungersnöten führt. Das Ansteigen des Meeresspiegels führt zu einer weiteren Abnahme der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Sollten dazu noch kriegerische Ereignisse kommen, würde die Notsituation noch einmal verstärkt.
Eine weitere Befürchtung ist, dass durch die Erderwärmung die Meeresströme beeinflusst werden könnten. Das Ausbleiben des Golfstroms hätte für Europa katastrophale Folgen.
Das Traurige ist, dass der Mensch mit seinem egoistischen und oft kurzsichtigen Handeln Verursacher dieser Katastrophen ist. Wir müssen uns Rechenschaft geben, dass es möglicherweise bereits 5 nach 12 ist! Mit den vorgesehenen Massnahmen könnten wir die Entwicklung mittelfristig höchstens bremsen, für eine grundlegende Änderung braucht es die Anstrengung mehrerer Generationen.
Nur echte, gezielte Zusammenarbeit unter den Völkern hat Aussicht auf Erfolg. Aus dieser realistischen Sicht, müssen wir auch in unserem Land viele Massnahmen systematisch ergreifen und vorbildlich durchführen, jeder an seinem Platz. Das fängt beim Heizen an, führt über den Stromverbrauch, der Begrenzung der Ansprüche - auch beim Individualverkehr, bis hin zur Unterstützung der Landwirtschaft. Der Selbsterhaltungstrieb müsste uns lehren solidarisch und sozial zu handeln!
Ich hoffe, dass dieser Vortrag auch uns Veteranen noch veranlasst unseren Beitrag mit einem gewissen Idealismus zu leisten. Unseren Obmann und den sachkundigen Referenten würde es freuen.
Kaspar Rhyner

Einige Hinweise für weiterführende Informationen zum Klima-Thema von Ernst Grütter :

  • Bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern BVE, Amt für  Umweltkoordination und Energie AUE, Reiterstrasse 1, 3011 Bern, kann die  Gratisschrift "Herausforderung Klimawandel" bezogen werden.
     Sie ist auch im Internet unter www.bve.be.ch/aue abrufbar
  • Im Internet kann jeder seinen Energieverbrauch ermitteln: www.ecospeed.ch >  Produkte > ECO2-Privat. Ziel wäre die 2000-Watt-Gesellschaft.
  • Weitere Links

Viel Spass und Staunen beim Herunterladen wünscht Euch Euer Obmann

Fotos von Rinaldo Sommer