01/01/70

Orientierungslauf TV / LV Thun

Nein, am Sonntag, 17. Oktober hätte bei der 39. Austragung dieser Anlass nicht durchgeführt werden sollen. Da war es nicht mehr herbstlich-freundlich, sondern nasskalt und beinahe schon winterlich. Viele unserer begeisterten jungen Läufer wären kaum zur Teilnahme bewegt gewesen. Die Väter hätten, vielleicht auch nicht mehr so motiviert, alleine durch den Sumpf stapfen müssen. Die Durchführung des Wettkampfs war in den vergangenen 14 Jahren im Übrigen auch nur drei Mal von Regen oder gar Schnee ‚versaut' worden.
Nun haben sich Hansruedi Zahnd und mit ihm die OLG Thun für den 10. Oktober entschieden und das war ein Glück. Die Läufer fanden bei Heimenschwand einen trockenen Stauffenwald vor und die Temperatur war ideal. Und was die Organisatoren in diesem hervorragenden OL-Gelände vorbereitet hatten, war professionell und erfüllte alle möglichen Wünsche.
Der Orientierungslauf hat im Turnverein Thun eine lange Tradition und ist mit dem Unihockeyturnier das eigentliche Standbein des aktiven Vereins. Und das ist nicht Zufall. Wohl kaum in einer andern Sportart ist das Verhältnis des (freiwilligen) Aufwands zum erzielten ‚Marktwert' derart krass. Da schweben Fussball und der Alpine Skisport, um die Grossen zu nennen, in andern sportlichen Sphären. Um dies zu verstehen, muss zum Beispiel Lorenz Zellweger's Bericht im ‚Thuner Turner' Nr. 1 über den OL 2009 gelesen werden. Und dazu die sich über zweieinhalb Seiten ziehende Rangliste! Das sind Emotionen pur, viel Freude. Der OL in der Schweiz geniesst in Europa eine ausserordentliche Spitzenstellung. Simone Niggli-Luder ist seit Jahren Leader des erfolgreichsten Frauen- und Männerteams. Auf dem Weg zu dieser Spitze liegen das sCOOL-Projekt in den Schulen, mehrere Dutzend regionale Läufe mit bis zu 1000 Teilnehmern, zudem ca. acht nationale Läufe und schliesslich die Schweizer Meisterschaft auf allen Distanzen.  
Die Durchführung eines Orientierungslaufs erfordert von den Veranstaltern schon beinahe das ‚feu sacré'! Tagelange minutiöse Erkundung des Laufgeländes, Bestimmen der etwa 70 Postenstandorte, Kontakt mit nicht immer und auf Anhieb bereitwilligen Landeigentümern und dann schliesslich zu früher Morgenstunde das Setzen der Posten, Einrichten des Start- und Zielgeländes … und als Krönchen vielleicht die liebevolle Zubereitung der Heidelbeer-Häppchen als süssen Trost für die bei der Postensuche verlorenen Minuten.
Es stimmte einfach alles!
Somit blieb das Erfolgs- oder auch Misserfolgsgefühl alleine den Startenden überlassen. Jene hatten die Wahl über sechs verschiedene Laufstrecken. Und sollten sich dabei hüten, die eigenen Möglichkeiten zu überschätzen. So hatten die ‚Cracks' wahrhaft zu beissen, bei denen drei der fünf Athleten mit Postenfehler im Ziel eintrafen. Und man zögert vorerst, sollen die ‚Masters' riskiert werden? Gaby Zahnd aber schwächt ab, mit zweifelndem Blick auf des Läufers   Ausrüstung   und   dem   Hinweis   auf  ungeahnte   topografische
Schwierigkeiten. Edy Binggeli aber, unser energetisches Urgestein, zögert nicht. Er kämpft … und stürzt, die Brille fliegt weg. Zum Glück sind da Pilzsuchende, die helfen auch bei der Brillensuche. Edy gestikuliert und meint danach grinsend "da suech de die Brülle im Gschtrüpp, we die Moore nid uf em Gring hesch!"
So rennt man, mit Gaby's Rat und bescheidener, folgerichtig die ‚Runner'-Strecke. Das Laufgelände ist grossartig, der Nebel hüllt die Bäume ein und nur die Rufe einzelner Läufer "i ha ne, i ha ne …" unterbrechen die Stille. Schon nach Posten 2 aber kommt die Schikane, die Karte flattert in der unruhigen Hand, das Einstellen des Kompasses wird erschwert von eben jenem Schweisstopfen, der den Posten auf der Karte trübt. Also doch zurück, den Weg suchen, der sich alsbald im meterhohen Heidelbeergestrüpp verliert … und am Ziel vorbei. Die auftauchende breite Forststrasse, vom feinen OL-Techniker verpönt, verhilft zur Standortbestimmung, zur Re-Orientierung, die gesuchte Kuppe steht plötzlich da. Dann aber geht es wieder zügig weiter, das Stolpern über das im Gestrüpp verborgene Astwerk hält sich im Rahmen, Stürze bleiben einem somit erspart und auf die Frage nach dem Befinden im Ziel folgt ein lapidares  "wowohl, me cha zfride sy".
Es wird auch 2011 ein OL geben. Entscheidend ist die Fortsetzung der hervorragenden Zusammenarbeit mit der OLG Thun. Welches Kind möchte das ‚Stempeln' mit der elektronischen Posteneinheit vermissen! Und am Ziel der Ausdruck eines jeden Laufs, Posten um Posten mit den präzisen Zwischenzeiten, unbarmherzig die gemachten Fehler offen legend.
Es war super! Merci Hansruedi und Dir Gaby, Silvio und Nadja, Daniel Alber, Richard Manz und Jürg Beyeler.

P.S. Posten 3 beschäftigt mich weiterhin. Da erkundet doch in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts der Engländer James Cook den Pazifik und findet in dieser unglaublichen Weite mit Hilfe eines Sextanten und dem Blick zum Himmel jede bekannte Inselgruppe. Ja, da müssten eigentlich mit dem Mittel des modernen Kompasses die 250 m in nordwestlicher Richtung zu eben diesem Posten 3 zu meistern sein. Ob ächt Hansruedi beim nächsten OL auf eine Durchführung nachts bei gutem Wetter einwilligen würde? Der Versuch mit dem Nordstern im Kleinen Bär müsste eigentlich Erfolg bringen.
          Pierre Friedli

 

Rangliste Orientierungslauf TV / LV Thun