01/01/70
TV Orientierungslauf 2009
Dass man auch mit den besten Orientierungshilfen vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht, diesem Phänomen begegnet man doch allzu oft. Das Team der OLG Thun gibt uns Turnern und Athleten jährlich die Gelegenheit, dies im wörtlichen Sinn und ganz real zu erleben.
Mit den besten Erinnerungen ans letzte Mal wird der Termin des TV-OL im Sommer mal in die Agenda eingetragen. Wahrscheinlich in den Shorts bei 25°C - deshalb wird die Vorfreude durch die Gedanken an die kalt-nassen Herbsttage auch gleich etwas gedämpft. Dann kommt mal viel anderes, dann der Fulehung, dann sind ja noch Herbstferien und dann ist der OL-Sonntag vor der Tür. Es ist wie jedes Jahr: Das Wetter ist vorher höllisch gruusig, am letzten Tag vor Schulbeginn sollte noch zum ausgiebigen Spielen genutzt werden und überhaupt ist das gemütlich-kulinarische Programm am Vorabend des Wettkampfes nicht eine wirklich gute Vorbereitung für sportliche Leistungen dieser Art.
Wenn man am Sonntagmorgen dann wirklich auch aufsteht, liegt das an der Wirkung der guten Vorsätze, an den Erinnerungen an die letzen Jahre oder vielleicht daran, dass man beim Augenreiben auf der Bettkante sitzend, Hansruedi Zahnd mit motivierender Geste vor sich sieht. Wie auch immer – aufgestanden, verpflegt, verpackt und ab. Unterwegs hat man ab dem schönen Wetter fast ein schlechtes Gewissen, dass man überhaupt auf den Gedanken kommen konnte, zu kneifen.
Einparken, ausladen und rauf zum Start, mit ein paar Schritten aufwärts ist man dann auch warm und wach geworden.
Und beim Treffpunkt sieht man die Kameraden wieder, offenbar wieder mehr als voriges Mal. Nach einigen faulen Sprüchen zu Kartenlesekünsten und aktueller Fitness macht sich der Amateur etwas unbeholfen an die Vorbereitungen. Die Streckenwahl folgt dem Respekt vor weiten Irrläufen – etwas länger in der frischen Natur kann man ja auch freiwillig bleiben. Hier und dort wieder spassige Bemerkungen, bis zum Posten übertragen – da ist fertig lustig, denn die Fehler hier lassen sich auch mit viel Kilometer und schönster Natur nicht kompensieren. Wahrscheinlich ist jetzt alles beisammen, mit dem komischen Pieps-Stecker scheint es auch zu klappen. Auf zum Start. Nach „Los“ geschieht jetzt eben das Unglaubliche: Sogar überzeugte Nicht-Jogger rennen wie sie das Rennen nie gestört hätte los, quer durch den Wald von Posten zu Posten und zwischendurch irgendwohin. In unserem Fall hat es mir der läuferische Noch-Vorsprung ermöglicht, vernünftig Karte zu lesen – ich war damit beschäftigt und mein kleiner Team-Kamerad hüpfte währenddessen begeistert mit dem Pieps-Stecker zum Posten-Piepsen. Fast schade, dass es so schnell zu Ende war, eine längere Strecke wäre also doch drin gelegen. Auch wenn die Überlegung meines Kameraden, dass, wenn wir noch einmal die Strecke laufen würden, die Posten noch schneller finden würden, überzeugend klang, haben wir es doch bei der einen Runde gelassen. Nachdem das Dessert mit dem Guezli und dem Tee aktuell wurde, war das Thema eh vom Tisch.
Alle sind auf irgendeinem Weg angekommen, alle sind glücklich (der Rioja vom Vorabend ist jetzt auch verarbeitet) und alle wissen, dass sie nächstes Jahr wieder dabei sein wollen.
An dieser Stelle sei allen Organisatoren und Helfern gedankt. Es war ein wunderschöner Sonntagmorgen, es tat gut, wir hatten Spass und vielleicht hat man sogar etwas gelernt.
„Denken vor Rennen“ – wenn sich diese Erkenntnis nur etwas breiter durchsetzen könnte …
Und es werden wieder die Momente kommen, wo man sich früh morgens auf der Bettkante sitzend, die Augen reibend, für das anstehende berufliche Tagesprogramm einen schmunzelnden, motivierenden Hansruedi Zahnd vor Augen wünscht.
Lorenz Zellweger
