01/01/70
Vorstandsausflug einmal anders!
Bei recht gutem Wetter besammelten sich am Samstagnachmittag, 27. Juni, die Vorstandsmitglieder mit angeheirateten Schätzis zum alljährlichen Ausflug beim Expressbuffet. (man beachte: nicht "im"!)
Eine "Fahrt ins Blaue" stand auf dem imaginären Programm, das in allen Einzelheiten nur zwei Personen kannten: Präsident Beat Zeller und der wichtigste Mann des Tages - der immer gut für die Finanzen sorgende Kassier Markus Hofer.
Der für das Wetter zuständige alte Mann hoch oben über den nicht zu sehenden Wolken hatte ein Einsehen mit den reiselustigen 18 Männlein und Weiblein und dem kleinen Vierbeiner Bianca und hatte - auch ohne Kenntnis des Programms - auf schönes Wetter gesetzt.
Dies war wichtig, denn wir dislozierten nämlich auf die gemütlich vor Anker liegende, schmuck herausgeputzte "Bubenberg".
Auch wenn für uns drinnen im gepflegten Restaurant reserviert und gedeckt wurde, ist eine Schifffahrt auf dem einmalig schönen Thunersee mit dem faszinierenden Panorama um ein Vielfaches schöner als bei Regenwetter.
Man sah und hörte sofort: Das Turnverein-Völklein war bester Laune, so dass an allen Tischen fröhlich diskutiert wurde und ab und zu Gelächter durch den Schiffsbug dröhnte.
Immerhin war seit dem letzten Vorstandsbummel ein ganzes Jahr vergangen, so dass man sich dieses und jenes zu erzählen hatte und auch das Neueste aus dem Vereinsleben interessierte.
Dafür bekommt aber auch jedes Vereinsmitglied den "Thuner Turner", der sechsmal im Jahr über die verschiedenen Abteilungen informiert, doch leider - oder vielleicht gar glücklicherweise doch nicht über ganz alles?
Zu der tollen Stimmung trug natürlich auch das vorbereitete Zvieribuffet bei, das mitten im Raum aufgestellt war und dem heftig zugesprochen wurde. Man hätte beinahe glauben können, es gäbe "nüt zum Znacht"!
Von den Köstlichkeiten wurden offensichtlich auch die anderen Passagiere zu einer entsprechenden Bestellung animiert.
"Bi weler Station stige mer ächt uus? Wo hets gueti Beizli?" wurde gerateburgeret. Des Redaktors eher unsinnige Vermutung "öppe bir Schadou" war natürlich völlig daneben, denn die "Bubenberg" gleitete fast unhörbar und sicher zu allen Ländten - ausgenommen Einigen, lud Gäste aus und nahm Neue auf und führte unser Vorstandsgrüppli bis zur Endstation Interlaken.
Hier erwartete uns eine riesengrosse Überraschung:
Fünf geschmückte und durch den Präsi bestellte Kutschen warteten auf uns - ja jene weltbekannten Pferdedroschken, die seit fast grauer Vorzeit vermögenden Engländer und andere gut situierten Touristen durch Strassen und Wege Interlakens führten!
Die meisten von uns sassen zum ersten Mal auf einem dieser beschaulichen, aber verkehrsbehindernden Gefährt, die uns in gemächlichem Trott durch ganz Interlaken und zurück führten.
Seiner Würde bewusst, sass Beat Zeller mit geschwellter Brust stolz neben dem 1-PS-Chauffeur auf dem Bock - er wusste bestimmt, dass er uns mit dieser Kutschenfahrt grosses Vergnügen bereitete und uns prächtig auf das bevorstehende Diner inspirierte.
Das Vergnügen ging am Ende der unvergleichlichen Fahrt weiter, hielten wir doch vor dem sehr bekannten Viersterne-Hotel "Stella", wo uns Direktor Werner Hofmann "himself" begrüsste und in sein blitzblankes Reich führte.
Zeitlich waren wir so früh, dass es vor dem Nachtessen (bescheiden ausgedrückt), zu einem weiteren, mundenden Aperitif reichte.
Dann folgte der kulinarische Höhepunkt des Tages - das vielversprechende, mehrgängige Abendessen!
Im gediegenen, reich dekorierten Speisesaal folgte angesichts der gedeckten Tische die nächsten Überraschung:
Entweder hatte das Hotelmanagement ausgezeichnete Beziehungen zu Silberbesteckfabriken oder es gab ein vielgängiges Menü. Denn es waren bei jedem Gedeck feinsäuberlich sieben komplette Besteck-Garnituren aufgereiht. Letzteres blühte uns, denn es wurden uns durch drei aufmerksame Kellner kulinarische Köstlichkeiten noch und nöcher serviert, die keine Wünsche offen liessen - höchstens am Schluss der erstklassig zubereiteten Spezialitäten, dem Dessert und nach Kaffee mit den obligatorischen hochprozentigen Beilagen ein Bett zum Strecken der Glieder und eventuellem Ausnüchtern!
Doch es sei aufrichtig vermerkt - kein Einziger und auch keine Einzige (!) hätten eine Ausnüchterung nötig gehabt!
Eine Stunde vor Sonntagsbeginn bummelten wir gemütlich an Souvenir-, Uhren- und Schmuckgeschäften vorbei zum Bahnhof, um uns um Mitternacht von einander zu verabschieden.
***
Um bösen Zungen vorzubeugen sei erwähnt, dass dieser gemütliche Vorstandsausflug als Dank für die grosse Arbeit eines jeden Einzelnen zu verstehen ist, der oder die sich während eines ganzen Jahres mit Leib und Seele für den Turnverein einsetzten und wöchentlich viele Freizeitstunden opfern.
Deshalb möchte ich als weitaus Ältester auch an dieser Stelle im Namen aller Beteiligten ganz herzlich für diesen überaus gut vorbereiteten und durchgeführten Ausflug danken!






